Pro Humanity – Pro Humans

Tansania

Erfahrungsberichte

„Farben, Gerüche, Stimmengewirr, Durcheinander. Zu Anfang war es in erster Linie die Reizüberflutung, die mich jedes Mal aufs Neue beim Marktbesuch übermannte. Ein Strom an bunten afrikanischen Stoffen schob sich zwischen den Ständen hindurch, überall lagen Berge von Obst und Gemüse in den unterschiedlichsten Farben und Formen, deren Existenz wir in Europa ganz vergessen haben. Hinter jeder Ecke wartete ein anderer Geruch auf mich und natürlich wurde ich als meistens einzige Weiße auf dem ganzen Markt am laufenden Band angequatscht.

Einige Male wurde ich auch nach meinem Namen gefragt, und zu meiner Überraschung wussten die Marktfrauen diesen 2 Wochen später immer noch. So gerne ich mich in das Getümmel stürzte, war ich doch glücklich, wie immer 2 Pippi House-Mädchen dabeizuhaben, die uns sicher über den Markt navigierten. Meistens standen Reis, Bohnen, Mais, Ugalimehl, Gemüse und Öl auf der Liste und zwar in Mengen, die nicht selten für uns zu schwer zum Tragen waren. Die Verhandlungen mit den Marktleuten waren dabei durchaus von Überraschungen geprägt, denn die Lebensmittelpreise in Tansania unterliegen großen Schwankungen. So mussten wir immer wieder spontan reagieren und an manchen Zutaten sparen, um für anderes noch genug Geld zu haben. Erst wenn wir unseren Einkauf beendet hatten und mit Müh‘ und Not alles in ein Auto quetschten, wurde mir mal wieder bewusst, dass wir immerhin gut 50 Heranwachsende versorgten.“

Franziska Diet

„Kahle Mauern, zu wenig Stühle, zu wenig Betten, zu kleine Zimmer mit zu vielen Sachen, eine maximal zweckmäßige Küche – Frauen und Mädchen mit unterschiedlichen, aber allen gemeinsam unvorstellbar schrecklichen Geschichten, Kinder, die ungeplant und wahrscheinlich unfreiwillig in die Welt gebracht wurden, und gleichzeitig eine so große Fröhlichkeit, Zufriedenheit, Gastfreundschaft und Dankbarkeit zu spüren, wie ich sie mir nie hätte vorstellen können. Das war mein erster Eindruck des Pippi House.“
Jennifer Darboven

„Kurz vor meinem zweiten Aufenthalt in Tansania sind zwei neue junge Frauen ins Pippi House gebracht wurde. Beide wurden schwer körperlich und seelisch misshandelt, während sie bei einer Frau als “Haushälterinnen“ gearbeitet haben.

Azizah konnte nur durch Zufall entkommen und wurde am Straßenrand krabbelnd von einem Autofahrer aufgesammelt und zur Polizei gebracht. Diese haben sie wiederum in die Obhut von Aristides im Pippi House gegeben. Glücklicherweise konnte sie die Polizei überzeugen, dass sich ein weiteres Mädchen – Rehema – noch bei der Frau im Haus befindet. Bei der ersten Hausdurchsuchung hatte diese das Mädchen aus dem Weg geschafft, aber beim zweiten Mal konnte die Polizei die Frau überraschen und fand das Mädchen unter einem Stapel Kleidung.

Wenn man sie nicht gefunden hätte, wäre sie vermutlich gestorben. Ihre Beine und Füße waren komplett geschwollen und blau von Schlägen. Ihr Rücken ist übersät von Brandwunden und Messerstichen. Ich habe nur wenige Bilder von ihrer Rettung gesehen, aber die reichen aus, um mir vor Augen zu führen, was für ein Leid sie erlebt haben muss. Rehema hat sich schnell in das Leben im Pippi House eingegliedert und man merkt ihr in keiner Sekunde an, was mit ihr geschehen ist. Azizah besucht bereits die Secondary School und ist eine unfassbar fleißige Schülerin. Ich bin sehr froh, dass die beiden nun endlich ein Leben in Sicherheit führen können.“

Kim Langemak